Beim Thema Wolf waren sie ganz nah beieinander

Michael Stübgen, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, diskutierte in Lennewitz mit Vertretern des Bauernbundes

07.08.2019 | Presseartikel der Märkischen Allgemeinen (Von Bernd Atzenroth)

Fast zwei Stunden lang diskutierten sie miteinander: Am Ende waren sich Michael Stübgen, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, und Vertreter des Bauernbundes nicht in allem einig, aber immerhin in der grundsätzlichen Richtung.

Stübgen ist auf Tour durch die neuen Länder. In der Prignitz sollte später auch noch eine Aussprache mit Vertretern des Kreisbauernverbandes anstehen. Auf dem Hof von Reinhard Jung in Lennewitz ging es um die Gemeinsame Agrarpolitik, kurz GAP, in der EU, um die Düngemittelverordnung und um die vom Bund angestoßene Naturschutzrechtsnovelle in Sachen Wolf. Während Stübgen zusammen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Gordon Hoffmann gekommen war, standen ihnen neben Jung noch Thomas Kiesel und Ulf Simon, beides Landwirte im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gegenüber.

Beim Thema GAP ging es insbesondere darum, wie verhindert werden kann, dass immer mehr Investoren die Agrarbetriebe aufkaufen. „Den Kampf dagegen führen wir gemeinsam“, betonte Stübgen. Wo die Bundesregierung auch die Interessen der größeren Betriebe im Nordosten Deutschlands im Blick haben muss, die nicht im Bauernbund, sondern eher im Bauernverband organisiert sind. In Sachen Düngemittelverordnung hätten die Landwirte des Bauernbundes am liebsten gar keine Regelung; sie sehen auch nicht den Bedarf dafür, unter anderem wegen der geringen Viehdichte in Brandenburg. „Das Problem gibt es in anderen Regionen“, sagt Jung, „Verschärfungen können wir uns nicht vorstellen.“ Seine beiden Berufskollegen sehen das ganz genauso.

Die aber wird es geben, wie Stübgen deutlich machte. Er vertritt aber auch den Standpunkt, dass ebenso gezeigt werden müsse, dass nicht für jede Belastung von Wasser und Böden mit Nitraten Landwirte verantwortlich gemacht werden könnten. Die Grundwasserbelastung könne rund um Berlin auch mit alten durchlässigen Rohren zu tun haben. Stübgen: „Wir müssen was tun, aber auch die anderen Quellen kenntlich machen.“ So sieht es zumindest in Sachen Nitratbelastung aus. Und er trifft damit ganz den Nerv von Jung, der auch nicht glaubt, dass das Grundwasserproblem in den rot markierten Gefährdungsgebieten nur von Landwirten verursacht wird. Anders ist es beim Einsatz von Phosphaten. Hier gibt es laut Michael Stübgen eindeutig einen anderen Hauptverursacher, nämlich Kläranlagen. „Die in der Landwirtschaft eingesetzten Phosphate sind nicht wasserlöslich“, erklärte Michael Stübgen, „Phosphate aus Kläranlagen schon, sie sickern in die Nordund Ostsee.“ 

Im dritten Punkt ließ es sich Reinhard Jung nicht nehmen, der Bundesregierung zu gratulieren, nämlich zur geplanten Naturschutznovelle in Sachen Wolf. Wichtig sei, dass bei einer Umsetzung der Novelle „an der Weide geschossen werden darf“. Das von Umweltminister Jörg Vogelsänger in Brandenburg vorangetriebene Wolfsmanagement sei jetzt veraltet. Stübgen erklärte, dass nach den Bestrebungen des Bundes für die Novelle Sachsen bereits angekündigt habe, dies im Land auch umzusetzen. Auch in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sehe man das ähnlich. In Brandenburg wiederum „kann die jetzige Wolfsverordnung das nicht umsetzen“. Mit der Novelle solle die Weidetierhaltung geschützt werden, die schließlich die artgerechteste sei. Stübgen erklärte, schlichtweg zu gucken, wie man das Problem mit den Wölfen in anderen Ländern handhabe. Freie Schutzräume für Wölfe könne es in Naturschutzgebieten geben, aber dann gebe es auch die Konfliktzonen dort, wo sich die Menschen bewegen.


Quelle: www.maz-online.de