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14.04.2018 | Pressebericht der Märkischen Allgemeinen
Ministerin lenkt ein: Halbjahreszeugnisse bleiben
Britta Ernst (SPD) reagiert auf massive Kritik - Lob von der Opposition
Im Streit um die Abschaffung der Halb- jahreszeugnisse für Dritt- und Viertkläs-sler ist Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur Kehrtwende bereit. „Aus meiner Sicht kann es weiter Halbjahreszeugnisse geben“, sagte sie gestern beim Besuch einer Grundschule in Kremmen. Bereits am Donnerstagabend hatte Ernst im RBB-Fernsehen mit Blick auf die Sitzung des Landesschulbeirates am 21. April erklärt, sie könne sich gut vorstellen, „dass wir die Entscheidung noch mal überdenken“.
Am Mittwoch waren die Pläne zur Abschaffung der Zwischenzeugnisse mit Zensuren öffentlich geworden und hatten heftige Proteste bei Eltern, Schulinitiativen und der Landtagsopposition ausgelöst. Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Gordon Hoffmann, sprach von einem „weiteren Schritt in die Belanglosigkeit“, der Landeschef der Lehrergewerkschaft GEW, Günther Fuchs, nannte den Vorstoß der Landesregierung „völlig überflüssig“. Geplant ist, dass Halbjahreszeugnisse in der dritten Klasse ab dem Schuljahr 2020/21 und in Klasse vier ein Jahr später abgeschafft und durch Elterngespräche sowie Informationen zur Leistungsentwicklung der Schüler ersetzt werden. Die Jahresendzeugnisse mit Zensuren sollen bestehen bleiben.
 
CDU-Bildungsexperte Hoffmann reagierte gestern mit Erleichterung: „Es freut mich, dass die Ministerin zum Einlenken bereit ist.“ Fast Dreiviertel der märkischen Eltern hätten sich für Noten ausgesprochen, weil das die akzeptierte Form für Auskünfte zum Wissensstand sei. „Es ist absurd, zum Halbjahr Elterngespräche zu führen und erst zum Schuljahresende Zensuren zu erteilen“, so Hoffmann. Verbale Einschätzungen ließen sich nur schlecht in Noten übersetzen. „Die Eltern bleiben im Unklaren, was ihr Kind schon kann und was nicht.“
 
Auch GEW-Chef Günther Fuchs begrüßte die Ankündigung der Ministerin: „Ich hoffe, dass es tatsächlich bei Zeugnissen mit Zensuren bleibt.“ Die Entscheidung, die über die Köpfe von Eltern, Lehrern und Schülern getroffen worden sei, müsse zurückgenommen werden. „Das war mal wieder ein ideologischer Schnellschuss aus dem Ministerium“, kritisierte Fuchs. Es gebe klare Unterschiede bei den pädagogischen Traditionen zwischen West und Ost. Hier besäßen Schulnoten einen deutlich höheren Stellenwert. Zudem hätten die Lehrer an Grundschulen kaum Zeit für wirklich qualifizierte Elterngespräche. „Viele stehen vor Klassen mit 30 Kindern und arbeiten am Limit“, so Fuchs. Bereits 2017 war wie schon in den ersten Klassen auch in Klasse zwei das System schriftlicher Leistungsanalysen an die Stelle von Noten getreten. Zuvor konnte auf Elternversammlungen und Lehrerkonferenzen abgestimmt werden - mit dem Ergebnis, dass sich die Eltern in 777 Klassen für Noten ausgesprochen haben, in 273 Klassen werden schriftliche Einschätzungen bevorzugt. (Von Volkmar Krause)


Quelle: www.maz-onilne.de
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