Alle Schulen vor den Osterferien öffnen?

Wie die Lernrückstände aufholen – Brandenburger Landtag debattiert über Bildung nach demLockdown

25.02.2021, 14:51 Uhr | Pressebericht des Prignitzer (Von Benjamin Lassiwe)

Seit Ende Dezember sind die meisten Schüler in Brandenburg nicht mehr in der Schule gewesen. Seit Ende Dezember gibt es in den meisten Klassen Distanzunterricht. Und auch wenn eine Studie kürzlich ergab, dass ein nennenswerter Teil der Lernenden den Heimunterricht beibehalten möchte: Dass nicht alle Kinder und Jugendlichen ohne Rückstände aus dem Lockdown kommen, wird allgemein erwartet.

Der Landtag hat die Landesregierung am Mittwoch daher zur Schaffung „freiwilliger pädagogischer Angebote zur Verringerung von Lernrückständen“ aufgefordert. Daran sollen auch außerschulische Bildungsanbieter mitwirken. Zudem soll das Land freiwilligen Ferienunterricht zur Verringerung der Lernrückstände unterstützen und den Einsatz studentischer Aushilfslehrer fortsetzen. Zudem solle das Bildungsressort bis Ende Mai im Bildungsausschuss berichten, wie man die Lernrückstände aufholen könne.

Anlass für den Beschluss war eine „Aktuelle Stunde“ auf Antrag der Linken zum Thema „Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt rücken – Langzeitfolgen der Pandemie jetzt begegnen.“ Der bildungspolitischen Sprecherin der Linken, Katrin Dannenberg, gelang es in der Debatte aber nicht, dieses Thema mit neuen Inhalten zu unterlegen. Vielmehr wiederholte sie seit Monaten vorgetragene Forderungen der Linken und beklagte, dass die Landesregierung die Vorschläge der Opposition nicht ernst nehme.

„Schmerzlich waren auch die langfristigen Entscheidungen der Koalition und der Landesregierung“, so Dannenberg. „Im diesjährigen Haushalt wurde nicht die dringend notwendige Aufstockung des zusätzlichen pädagogischen Personals, der Schulsozialarbeit und Schulgesundheitsfachkräfte, der zusätzlichen Projekte für Demokratie, gegen Gewalt gegen Rassismus an Schulen – die jetzt so notwendig wären – berücksichtigt!“ Dannenberg forderte einen „Expertentisch“ zur schulischen Bildung.

Ein Vorschlag, den die BVB/Freie-Wähler-Abgeordnete Ilona Nicklisch unterstützte, den der Prignitzer CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann aber umgehend zurückwies. Ein „Expertentisch“ sei eine „öffentlichkeitswirksame Idee, wenn man mal eine knackige Forderung braucht.“ Man könne bei so einem Gremium nicht ernsthaft mit Ergebnissen vor dem nächsten Schuljahr rechnen. „Das wäre zu spät“, so Hoffmann. „Wir müssen vorher reagieren.“

Konkret auf die Situation der Kinder und Jugendlichen ging der SPD-Abgeordnete Hardy Lux ein. „Kinder und Jugendliche sind eben nicht nur Schülerinnen und Schüler“, sagte er. Jugend sei eine ganz spezielle Lebensphase. „Jugendweihen, Abibälle, Abschlussfeiern, die erste eigene Auslandsreise fielen komplett aus.“ Immer wieder habe man von Jugendlichen gehört, dass es der Sommer ihres Lebens werden sollte – „jetzt ist alles ausgefallen.“

Für die Grünen forderte die Fraktionsvorsitzende Petra Budke, sehr schnell auch mit den weiterführenden Schulen in den Wechselunterricht zugehen. Bei weiteren Lockerungen hätten Bildungseinrichtungen „höchste Priorität“. „Studien weisen leider auch darauf hin, dass etwa jedes fünfte Kind im Distanzlernen kaum erreicht wird“, sagte Budke. „Wir können es uns nicht leisten, ein Fünftel aller Kinder zurückzulassen.“ Daher fordere man die Landesregierung auf, sich im Bundesrat für eine Kindergrundsicherung einzusetzen. „Wir dürfen kein Kind zurücklassen.“

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) nannte die Schule als Sozialraum „unersetzlich“. Die Öffnung der Grundschulen sei der erste entscheidende Schritt gewesen, um die Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche zu verbessern. „Ich hoffe sehr, dass es uns im Lauf des März gelingt, auch die weiterführenden Schulen im Wechselunterricht zu öffnen“, sagte Ernst. Damit wären dann bis zu den Osterferien alle Schulen wieder geöffnet. Gleiches gelte für Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sowie Sportangebote für Kinder und Jugendliche. Das Land wolle vorhandene Ressourcen, wie etwa das „Freiwillige Soziale Jahr“ stärker für Kinder und Jugendliche nutzen. Zudem soll es Ferienangebote geben, um schwächere Schüler zu erreichen. –


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