Die Prignitz als Vorreiter?

Lehm als Baustoff–dazu hat eine Initiative in Perleberg den Prototyp einer Fertigungsmaschine getestet

15.03.2021, 19:55 Uhr | Pressebericht des Prignitzer

Prignitz | Für die Düsseldorfer Künstlerin Ute Reeh und ihre Mitstreiter ist der heutige Sonnabend ein besonderer Tag. Sie engagieren sich dafür, an der geplanten Trasse der Autobahn 14 bei Nebelin die vorgesehene Lärmschutzwand aus einem natürlichen Baustoff zu fertigen – aus Lehm. An diesem Samstag soll das Projekt einen großen Schritt nach vorne machen: In den PS Kieswerken zwischen Perleberg und Groß Buchholz probieren sie den Prototyp einer maschinellen Presse aus, die aus Lehm und Stroh Quader aus Wellerlehm produziert. Das Ziel: Die Quader sollen in Zukunft industriell gefertigt werden, damit die Produktion rentabel wird. 

„Vielversprechende Erfahrungen" 
Und bereits am frühen Nachmittag ist Ute Reeh zufrieden: „Wir sind schon ziemlich weit gekommen", erzählt sie auf Nachfrage. Die Maschine, die hier in einem Zelt aufgestellt ist, produziert Blöcke aus Wellerlehm, die etwa ein Viertel der Größe haben, die später für die Massenfertigung vorgesehen ist. Immer wieder füllen die Helfer Stroh und Lehm oben hinein, vorher muss die Seitenwand noch per Hand verschraubt werden. Alles ist noch improvisiert.

„Mit einer hydraulischen Presse werden hier Ziegel gepresst", erklärt Martin Rauch. Der Bauunternehmer aus Vorarlberg in Österreich ist seit 30 Jahren auf Lehmbauten spezialisiert und eigens für dieses Projekt in die Prignitz gereist. „Wir wollen wissen, wie das Verfahren funktioniert und machen hier vielversprechende Erfahrungen", ist er überzeugt. Lehmwände seien zu 100 Prozent nachhaltig und machten die Verwendung von Beton oftmals überflüssig. „Man wird den Beton aber nicht ersetzen können, das ist nicht der Anspruch", schränkt er ein.

Nebelin als Pilotprojekt?
Auch Nebelins Ortsvorsteher Matthias Behrendt ist am heutigen Tag dabei. Er sei positiv gestimmt, so erzählt er, dass man diese Technik vor Ort umsetzen könne. Geplant ist eine rund 570 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Nebeliner Bahnsiedlung, die besonders nah an der geplanten A14 liegt. Auch die vorgesehene Raststätte sollte seiner Meinung nach eine Schutzwand erhalten – beide möglichst aus Wellerlehm gefertigt.

Ob die Deges GmbH, die im Auftrag des Bundes die Autobahn baut, dabei mitzieht, ist nach wie vor offen. Behrendt und Ute Reeh kämpfen weiter dafür – und haben mittlerweile das Interesse der Politik geweckt. Neben den beiden Prignitzer Landtagsabgeordneten Thomas Domres (Linke) und Gordon Hoffmann (CDU) ist auch Andreas Ditten, Leiter des Geschäftsbereich Bau beim Landkreis, vor Ort. Behrendt hofft, dass die Lärmschutzwand bei Nebelin zum bundesweiten Pilotprojekt werden könnte. Die Zahl der Unterstützer scheint jedenfalls zu wachsen.



– Quelle: https://www.svz.de/31590502 ©2021