CDU-POLITIKER IM GADOWER FORST

In Gadow sterben die Bäume

28.07.2021, 08:41 Uhr | Pressebericht des Prignitzer (Von Hanno Taufenbach)

Gadow | Aus der löchrigen Asphaltstraße wird eine Sandpiste. Büsche und Farne schleifen am Auto entlang, Grasbüschel knirschen am Unterboden. Bernd Kugler bringt uns tief in den Gadower Forst hinein. Der Förster will den CDU-Politikern Gordon Hoffmann und Sebastian Steineke den echten Wald zeigen. Erst hier werde das Ausmaß der Schäden deutlich.

Wir halten an einer großen Brachfläche. Fichten standen hier. Sie sind alle abgestorben. "Trockenschäden", sagt Kugler und zeigt auf einzelne tote Bäume am Rand der Fläche. "So sah das hier überall aus." Sie haben mit der Aufforstung begonnen. Mischwald soll entstehen. Rund 1000 Setzlinge sind im Boden, darunter Eichen. Acht Jahre werden die Bäume Hilfe brauchen, bis sie stark genug sind, um von alleine wachsen zu können. "Wir müssen das wuchernde Farn zwei Mal jährlich schneiden, die Bäumchen vor Wildverbiss schützen", erklärt Kugler.

Das Geld fehlt
Fünf Minuten reichen dem erfahrenen Forstmann, um den Landtags- und Bundestagsabgeordneten die zwei größten Probleme der Forst zu erklären: Der Klimawandel lässt den Wald sterben und der Umbau zu einem Mischwald kostet Zeit, Personal und Geld. All das fehlt. Die Fahrt hierher führte vorbei an vielen lichten Stellen. "Wo keine Bäume stehen, wurde abgeholzt", sagt Kugler. Nicht weil die Bäume stattlich waren und ihr Holz gute Preise erzielt hätte. Nein. Sturm, Trockenheit, Schädlinge hatten sie so sehr geschwächt, dass nur das Fällen blieb. Selbst dort, wo auf den ersten Blick mächtige Kronen dem blauen Himmel entgegenwachsen, zeigt Kugler seinen Gästen tote Äste. Fast sein ganzes Berufsleben habe er im Gadower Forst gearbeitet, "aber so schlecht ging es dem Wald noch nie", sagt er. Aussagen, die andere Förster und Waldbesitzer bestätigen.

Kiefernwald verloren
Die Trockenheit schwächt die Bäume. Sie werden anfällig gegenüber Schädlingen. So, als ob beim Menschen das Immunsystem schwächeln würde. Erst kürzlich mussten sie knapp 100 Hektar Kiefern aufgeben. Die Buschhornblattwespe hatte gewütet. Der Eichenprozessionsspinner frisst seit Jahren Eichen immer wieder kahl. Die Bäume verlieren an Kraft. Im vergangenen Jahr hatte der Borkenkäfer riesige Flächen kahl gefressen. All das zeigt, wie wichtig der Waldumbau ist. Die Oberförsterei ist Ansprechpartner und Berater für die Waldbesitzer. Ihre sechs Revierförster, das siebente Revier ist nicht besetzt, helfen beim Antrag auf Fördermittel, beraten, welche Baumarten für einen Mischwald sinnvoll sind, welche Arten Trockenheit besser vertragen. Doch die Politik untergräbt diese Zusammenarbeit. "Wir dürfen Waldeigentümer nur beraten, wenn ihre Fläche maximal zehn Hektar beträgt", sagt Kugler.

Waldbesitzer werden allein gelassen
Kontakte zu großen Waldbesitzern gehen verloren, aber gerade sie wären wichtig für den Waldumbau. Das persönliche Gespräch könne viel bewirken, könne den Ausschlag für eine nachhaltige Wiederaufforstung geben, so Kugler. So aber werden die Waldbesitzer allein gelassen, und viele wählen den einfachen und ökonomisch attraktiveren Weg. "Sie pflanzen Lärchen, die maximal drei Jahre gepflegt werden müssen. Bei Buche und Eiche sind es fünf bis zehn Jahre", so Kugler.

Weniger Förster, größere Reviere
Der Forstbeamte hält sich zurück mit Kritik. Er muss sie gar nicht aussprechen. Allein seine Schilderung der Fakten zeichnet ein düsteres Bild: Unbesetzte Reviere, keine Neueinstellungen, stetiger Personalabbau. Aus den rund 30 Oberförstereien in Brandenburg sollen sechs werden - eine riesige Fusionswelle. Gleiches ist mit der Polizeireform in Brandenburg gescheitert, und auch die geplante Kreisgebietsreform mit ihren größeren Strukturen starb, noch bevor sie politisch umgesetzt werden konnte.

Wie weniger Förster bei immer größeren Revieren und unter dem Handlungsdruck des Klimawandels gute Arbeit leisten sollen, mag sich den CDU-Politikern nicht erschließen. "Der Klimawandel findet nicht nur in den Medien statt", sagt Gordon Hoffmann. Das habe er heute gelernt. Beim Blick aus dem Autofenster sehe der Wald gesund aus, doch das sei ein Trugschluss, meint Hoffmann.

Für Waldumbau und Aufforstung braucht es eine bessere Förderpolitik, sagt Steineke. Ein Waldumbau könne nur gemeinsam mit privaten Waldbesitzern gelingen, ergänzt er. Man müsse zusammenarbeiten. "Das kostet Personal und Zeit. Wir müssen in der nächsten Legislatur nachsteuern", so der Bundestagsabgeordnete.

Quelle: https://www.svz.de/33081567 ©2021