20.08.2026, 07:56 Uhr | Lausitzer Rundschau / Ulrich Thiessen

Gordon Hoffmann, der Fröhliche mit den schlechten Nachrichten
Dem CDU-Politiker Gordon Hoffmann hatten viele das Amt des Brandenburger Bildungsministers nicht zugetraut. Jetzt muss er Eltern und Lehrer enttäuschen und punktet trotzdem.

Es ist regelrecht eine Bankrotterklärung, die Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) zum Schuljahresbeginn abgab. Auf einer Pressekonferenz in Cottbus räumte er wenige Tage vor dem ersten Schultag ein, dass so viele Lehrer wie noch nie fehlen, die Schülerzahl gestiegen ist und Schulen Wahlpflichtfächer abmelden dürfen, um die wichtigsten Fächer überhaupt noch unterrichten zu können. Der Prignitzer handelte dabei nach dem Motto: Wir beschönigen nichts! Offenheit und Ehrlichkeit sind alles, was der 47-Jährige bislang zu bieten hat. Er ist erst seit fünf Monaten im Amt und hat vieles, vor allem die Stellenkürzungen im aktuellen Haushalt, schon vorgefunden. Damit muss er nun umgehen.

Als Ende März SPD und CDU die neue Regierung in Brandenburg bildeten, war es eine große Überraschung, dass die Christdemokraten Gordon Hoffmann zum Bildungsminister machten. Eigentlich war eine Frau auf dem Posten erwartet worden. Obwohl Hoffmann lange Zeit bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion war, trauten viele ihm die Aufgabe nicht zu.

Seit 2009 gehört der Christdemokrat dem Landtag an, war seit Ende des vergangenen Jahrzehnts Generalsekretär des Landesverbandes und somit immer im engsten Machtzirkel der Partei verankert. Ein erfahrener, gestandener Politiker also? Nicht ganz. Hoffmann pflegte geradezu das Image des Außenseiters, des gespielt unbedarften Prignitzers im smarten Potsdam. Vor allem aber konnte und wollte er seinen Humor und seine Selbstironie nicht aufgeben, nur um als „seriöser“ Abgeordneter zu gelten. An Hoffmann kam man nicht vorbei, ohne dass eine launige Bemerkung selbst die langweiligste Debatte aufheiterte. Auftritte mit der Band seines Bruders bei Empfängen im Landtag trugen dazu bei, dass Hoffmann über die Parteigrenzen hinweg als Stimmungsmacher beliebt ist.

Kann man mit dieser Lockerheit Minister werden? Man kann. Und Hoffmann schockierte auch gleich bei Amtsanttritt Freund und Feind. „Ich war stinkend faul“, räumte er mit Blick auf seine Schulzeit ein. Ein Ausrutscher oder Kalkül? Hoffmann berichtete freimütig, wie schwer es ihm als Jugendlicher gefallen war, Tritt zu fassen, dass er die Berufsausbildung schmiss und erst später das Fachschulstudium Sozialpädagogik nachholte.

Damit nahm er allen Kritikern den Wind aus den Segeln, die die Nase gerümpft hatten, weil erstmals jemand ohne Abitur das Bildungsministerium leitet. Und Hoffmann hatte gleich eine Botschaft für seine Amtszeit: Dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche eine zweite und dritte Chance im Bildungssystem bekommen.

Sein Regierungsstil im Bildungsministerium wird als unkonventionell bezeichnet. Mit langen Dienstwegen fremdelt er, wenn man Dinge auch direkt ansprechen kann. Auf der Pressekonferenz in Cottbus berichtet Hoffmann, dass er selbst wissen wollte, warum sich für eine bestimmte Schule keine Fachlehrer finden ließen. Also telefonierte er mit den Lehrern in der Umgebung, die für eine Umsetzung infrage kamen, und lernte dabei nach eigenen Angaben viel über die Probleme, die mit solchen Maßnahmen verbunden sind.

Auffällig ist in der relativ kurzen Amtszeit, wie viel der Neue im Land unterwegs ist. Als Sportminister ließ er es sich auch nicht nehmen, das erste Heimspiel von Energie Cottbus nach dem Aufstieg im Stadion anzuschauen. Und dann ist der Prignitzer auch noch häufiger als die meisten anderen Minister in den sozialen Netzwerken präsent. Und sei es, um während einer kurzen Fahrstuhlfahrt im Landtag zu erläutern, was das sogenannte Leseband an den Grundschulen bewirken soll.

Wenn sich etwas geändert hat seit Amtsbeginn, dann ist es die Art der öffentlichen Auftritte. Früher galt Hoffman nicht gerade als großer Redner. Sowohl bei Parteitagen als auch in bildungspolitischen Debatten im Landtag klebte er zumeist am Blatt. Da fällt es schon auf, dass er die Schuljahrespressekonferenz freisprechend und souverän über die Bühne brachtet.

Und noch eins fällt auf: Wie oft und herzlich sich der Minister bei den Lehrern für ihre Arbeit bedankt. „Es ist ein Menschenfischer“, sagt ein Parteifreund. Jemand, den man übers Land schicken kann und der den Leuten zuhört. Aber das allein wird nicht reichen. Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), lobt auch, dass Gordon Hoffmann Probleme offen anspricht. Das sei immerhin ein Fortschritt, gesteht der Gewerkschafter zu. Aber jetzt komme es darauf an, dass die ererbten Probleme eben auch gelöst werden. Das Bildungssystem brauche jemanden, der sich dazu in der Regierung auch durch- setzen kann, so Fuchs. Daran müsse sich ein Bildungsminister messen lassen.

 

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